Bei der Berechnung der Wirtschaftlichkeit tritt folgendes Problem auf: In wie weit sich dieses Antriebssystem lohnt, hängt nämlich vornehmlich vom vorhandenen Wind ab. Da Wind aber keine konstanten Ausmaße hat und deshalb keine zuverlässigen Aussagen über zukünftige Werte getroffen werden können, kann auch die Wirtschaftlichkeit nicht mit Sicherheit voraus bestimmt werden.
Wegen dieser Problematik legt das Unternehmen SkySails Standardwetterbedingungen zu Grunde, auf deren Basis sie dann die Prognosen über die Wirtschaftlichkeit erstellt. Diese Strandartwerte gehen aus Tabelle 2 hervor:
Die Annahme, dass der Wind aus einer Richtung kommt, die in einem Winkel von 130° zum Kurs des Schiffes liegt, ist sehr optimistisch, da dies in etwa die Richtung ist, in der durch das Zusammenspiel aus Widerstandskraft und Auftriebskraft der Wind am effektivsten ausgenutzt werden kann.
Aber auch hinter der Annahme, dass ein Frachtschiff im Schnitt nur mit einer Geschwindigkeit von 10kn fährt, verbirgt sich ein gewisser "physikalischer Hintergedanke". Denn die vom Zugdrachen entwickelte Vortriebskraft ist umso größer, je langsamer das Schiff fährt. Damit könnte das System z.B. für Tanker geeignet sein, da beim Transport von Erdöl die Geschwindigkeit keine große Rolle spielt und Tankschiffe mit 15kn (ca. 28 km/h) zu den langsamen Frachtschiffen zählen. Man muss jedoch davon ausgehen, dass sich das Zugdrachenantriebssystem für Containerschiffe nicht lohnt, wie der Erfinder des Systems, Stefan Wrage, selbst einräumt, da diese relativ schnell fahren.
Bezüglich der Windstärke muss bedacht werden, dass diese nicht nur sehr wetterabhängig sondern auch ortsabhängig ist. D.h. in manchen Gebieten liegt die durchschnittliche Windgeschwindigkeit unter der von SkySails angenommenen
Standardbedingung. In manchen Gebieten kann der durchschnittliche Wert auch darüber liegen. In Abb. 13 ist in verschiedenen Farben gekennzeichnet, in welchen Regionen der Welt die durchschnittliche Windstärke eher hoch und wo sie eher niedrig ist.
Es muss also im Einzelfall für jedes Schiff und auch für jede Route entschieden werden, ob sich das Antriebssystem lohnt. Um jedoch ungefähr abschätzen zu können, in wie weit dies der Fall ist, sind Normbedingungen, besonders, wenn sie tatsächlich den in der Natur vorkommenden Durchschnittswerten entsprechen, natürlich hilfreich:
Aus Tabelle 3 geht hervor, dass sich unter Zugrundelegung der Normbedingungen das Zugdrachenantriebssystem beim ersten Schiff schon nach 1,5 Jahren bezahlt machen würde, beim 2. Schiff nach 3,1 Jahren.
Berücksichtigt werden muss außerdem, dass der Ölpreis seit dieser Berechnung (14.08.2006) weiter gestiegen ist, und sich dieser Anstieg wohl auch in Zukunft fortsetzen wird. Zwischenzeitlich ist der Ölpreis auf über 100 Dollar pro Barrel gestiegen , während er 2006 laut Diagramm 3 noch zwischen 60 und 70 Dollar gelegen hat.
Des Weiteren gewinnt das Thema Umweltschutz immer mehr an Bedeutung, sodass die Schifffahrt in Zukunft wohl verstärkt mit Umweltauflagen rechnen muss.
Ein weiterer Vorteil des Systems liegt, wie oben schon erwähnt, darin, dass für das Zugdrachenantriebssystem keine zusätzliche Besatzung notwendig ist, da alle Vorgänge automatisiert sind.
Abschließend lässt sich sagen, dass sich keine allgemeine Aussage über die Wirtschaftlichkeit des Systems machen lässt. Es kann jedoch wahrscheinlich davon ausgegangen werden, dass es in Zukunft Konstellationen geben wird, in denen es für Reeder aus wirtschaftlicher Sicht sinnvoll ist, Schiffe damit auszurüsten.
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