Das Zugdrachenantriebssystem ermöglicht es, durch einen so genannten "dynamischen Flug" des Zugdrachens, den Wind noch effektiver zu nutzen. Die Grundlage dafür ist, dass die Anströmgeschwindigkeit sowohl in die Formel der Auftriebskraft als auch in die Formel der Widerstandskraft quadratisch eingeht.
Im dynamischen Flug wird durch eine künstlich erzeugte Bewegung des Zugdrachens, bei der es sich um ständige, zügig ablaufende Veränderungen seiner Position handelt, erreicht, dass diese Anströmgeschwindigkeit erhöht wird. Dieser Prozess wird durch die Steuergondel ausgeführt.
Während in Kap. 6.3. untersucht worden ist, welchen Grad der Winkel zwischen der Zugdrachenvorderkante und dem Zugseil haben muss, damit der Zugdrachen seine Position hält, ist es im dynamischen Flug notwendig, dass dieser Winkel abwechselnd größer und kleiner ist als in den vorher beschriebenen Fällen.
Je größer die Abweichungen dieses Winkels von der Stellung ist, in dem der Zugdrachen seine Position hält, desto größer ist die dadurch erzeugte Geschwindigkeit des Zugdrachens und damit die Anströmgeschwindigkeit.
Eingeschränkt wird der dynamische Flug dadurch, dass durch das Eingreifen des Steuerungssystems ständig ein kleiner Teil der Auftriebskraft dazu verwendet wird, den Zugdrachen zu bewegen und diese Komponente dadurch nicht mehr für den Vortrieb zur Verfügung steht. Außerdem ist mit der ständigen Veränderung der Länge der Steuerleinen ein gewisser energetischer Aufwand verbunden, der durch die Steuergondel in Form von Strom verbraucht wird.
Da der dynamische Flug im Zugdrachenantriebssystem integriert ist und vollautomatisch abläuft, muss die Flugbahn nicht von der Besatzung festgelegt werden. Die optimale Flugbahn wird von der Autopilot-Software berechnet und umgesetzt.
Hierbei muss noch ein weiterer Aspekt beachtet werden, der zwar auch schon unter Punkt 6.3. gegeben gewesen ist, jedoch durch die Annahme, dass sowohl cW als auch cA bei Steuervorgängen konstant bleiben, nicht zu berücksichtigen gewesen ist und außerdem für das Verständnis der dort beschriebenen Abläufe keine Bedeutung gehabt hat: Sobald auf einer Seite des Zugdrachens die Steuerleinen verkürzt werden und dort somit der Auftrieb erhöht wird, erhöht sich auf dieser Seite auch der Widerstand.
Das bedeutet, dass der Zugdrachen auf dieser Seite nach hinten gedrückt wird. Er erfährt also eine Drehung um die Hochachse. Dadurch nimmt die Pendelbewegung im dynamischen Flug scheinbar die Form einer Acht an.
Nachdem nun ein Überblick über die Funktionsweise des Zugdrachens aus technischer Sicht vermittelt worden ist, werden im Folgenden die Voraussetzungen genannt, die gegeben sein müssen, damit das Zugdrachenantriebssystem eingesetzt werden kann und welche Leistungen im günstigsten Fall damit erzielt werden können.
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